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Nethack
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Werde zum NETHACKer!

Kaum ein Genre hat eine längere Tradition als das Rogue-like. Immer wieder erscheinen Spiele dieser Gattung und immer noch gibt es eine (stetig wachsende) Fangemeinde, die nicht müde wird, durch dunkle Keller zu streifen und Monster zu verhauen. Und seien wir mal ehrlich: ohne das Rogue-like gäbe es kein Diablo, kein Dwarf Fortress und damit wahrscheinlich kein Minecraft.

Eine kurzer Rückblick: 1980 erschien das Spiel Rogue. Rogue war ein Dungeon Crawler, der dem Spieler für damalige Verhältnisse unbegrenzte Möglichkeiten bot.Für heutige Verhältnisse klingt natürlich sehr dürftig: man hat nur eine Charakterklasse und ein (zumindest zufallsgeneriertes) Dungeon. Und auch die Optik sieht heute mehr als antiquiert aus: Die geringe Speicher- und Leistungsfähigkeit stellten die Entwickler von damals nämlich vor ein Problem: wie kann ich eine Spielwelt darstellen, ohne mehr als ein paar Bytes in Anspruch zu nehmen? Die Antwort hierauf war: ASCII. Das Format American Standard Code for Information Interchange (kurz: ASCII) wurde von Rogue als Platzhalter für Räume, Items und Monster genutzt. Der Spieler wird, wie in so gut wie allen Rogue-likes, als @-Symbol dargestellt und kämpft sich durch das Dungeon, um das Amulett von Yendor zu finden. Dabei stellen sich ihm fiese As, Cs und Ds in den Weg und wenn der Spieler einmal seinen Gegnern nicht gewachsen ist, so winkt der Permadeath, der Tod ohne Rücksetzpunkt und Continue.

Ende 1984 bekam Rogue einen Nachfahren: Hack. Während das Ziel des Spiels – nämlich das Amulett von Yendor zu finden – das gleiche geblieben ist, so fügte Hack dem bekannten Rogue-Rezept einige Zutaten hinzu, die das Spiel noch komplexer und interessanter gestalten sollten. So konnte der Spieler endlich verschiedene Charakterklassen wählen oder in Shops einkaufen. Auch Haustiere wurden erstmals eingeführt und eine Fülle an neuen Fähigkeiten und Gegenständen galt es für den Spieler zu entdecken.

Bereits 1987 bekamen Rogue und Hack dann ein Geschwisterchen: Nethack. Nethack wird nicht mehr von einer geschlossenen Gruppe programmiert, sondern offen von einer Community entwickelt. Der Quellcode war für jeden frei zugänglich: Rogue und Hack gehen open source. Über das Usenet wird Nethack entwickelt und bis heute (!) werden weitere Elemente und Funktionen von einer ambitionierten Gruppe Programmierer dem Spiel beigefügt.

Auch wenn es nicht mehr ganz brandneu ist und gerade kein hochaktuelles Update vorliegt (derzeit sind wir bei Version 3.4.3), so verdient Nethack in jedem Fall eine Review auf “Delicate Gamer”. Denn trotz seiner nicht mehr ganz taufrischen Optik und seinem enormen Schwierigkeitsgrad gibt es dem Spieler etwas, das man heute in Rollenspielen oft vermisst: Freiheit. In Nethack kann man mit den Spielelementen herumexperimentieren soviel man will bzw. bis man den Löffel abgibt (was leider sehr oft passieren kann). Die Möglichkeiten scheinen endlos, frei nach dem Nethack Motto: “Die Developer haben an alles gedacht.”

Du willst einen Drachen als Haustier? Kein Problem: Verwandel dich in einen, lege Eier und warte bis sie ausschlüpfen. Die kleinen werden dich fortan vor allem verteidigen, was sich dir in den Weg stellt. Alternativ kannst du dir auch einen Drachen zähmen, aber das wäre ja zu einfach. Oder brauchst du unbedingt diese Drachenrüstung, die Zaubersprüche reflektiert? Einfach die soeben im Shop erstandene Zauberlampe polieren, bis ein Djinn erscheint. Er wird einem dann die gewünschte Rüstung herbeizaubern. Wenn man Pech hat, dann ist der Djinn weniger erfreut darüber, von seinem langen Schlaf geweckt zu werden und greift an. Gerade neue Spieler werden so ziemlich schnell gezwungen sein, ein neues Spiel zu beginnen, denn auch in Nethack hat man nur ein Leben.

Doch genau darin liegt auch der Reiz des Spiels. Auch ein Bildschirmtod hat seinen Reiz, entdeckt man doch häufig eine zuvor so nicht gesehene Möglichkeit Gegenstände zu kombinieren und beim nächsten Mal wird man die nötigen Vorbereitungen treffen. Nethack lässt dem Spieler innerhalb seines Spielgerüsts extrem viele Möglichkeiten. Jede der 13 Charakterklassen spielt sich fundamental anders und dabei stehen nicht nur Rollenspiel-Normalos wie Ritter oder Zauberer zur Auswahl. Wie wäre es denn zum Beispiel mit dem Touristen, der Gegner mit seiner “teuren Kamera” blendet. Oder dem Archäologen, einem Indiana Jones Verschnitt, der sich mit Peitsche und Hut auf Schatzsuche begibt. Jede Klasse (in Nethack übrigens “Rolle” genannt) erfordert eine andere Taktik vom Spieler.

Etwas nervig sind leider die vollkommen unnötigen Bildschirmtode. Isst man nicht, so verhungert der Charakter. Gerade neue Spieler werden ihre liebe Not haben mit diesem Problem. Oder man will sein Pferd satteln, rutscht aus und bricht sich das Genick. Oder man ist zu schwer beladen und schon stürzt man die Treppe in das nächste Dungeonlevel hinunter und muss schon wieder von vorne beginnen. Alles sehr unnötig und Frust-erzeugend.

Aber: Wer Nethack noch nicht kennt, der sollte es sofort ausprobieren. Dabei sollte man sich jedoch nicht, ganz ähnlich wie bei Dwarf Fortress, von dem happigen Schwierigkeitsgrad, der etwas komplizierten Steuerung und seiner sehr altbackenen Optik am Spielen hindern lassen. Denn Nethack ist der Hammer!

Der ideale Spieler…

  • …beweist etwas Sitzfleisch und stört sich auch nicht daran, die Spielwiki zu büffeln.
  • …genießt Kopfkino.
  • …experimentiert gerne.
  • …ist frustresistent und fängt gerne immer wieder von vorne an.

Es verdient einen Platz in unserem Herzen, weil…

  • …ASCII auch Spaß machen kann (alternativ kann man selbverständlich auch ein grafisches Tileset zuschalten).
  • …es unendliche Möglichkeiten bietet.
  • …man das Amulett von Yandor wahrscheinlich nie bekommt, aber das auch egal ist.
  • …es Tolkien, Dungeons & Dragons und Nerdkultur perfekt miteinander verschmilzt.

…aber leider…

  • …muss man sich einarbeiten.
  • …verzeiht das Spiel keinen Fehler.
  • …sieht es aus wie es aussieht.

Da das Spiel “Open Source” ist gibt es mittlerweile eine Fülle unterschiedlicher Builds. Die bekannteste davon ist wahrscheinlich Slash’EM (Super Lots of Added Stuff Hack- Extended Magic), das jedoch nur denen zu empfehlen ist, denen Nethack zu simpel und einfach ist.

Reviewed by Judas on 10 February 2011

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