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Muttersöhnchen

Isaac steht vor einem schrecklichen Problem. Nicht nur, dass er von demütigenden und traurigen Erinnerungen geplagt wird, nun will ihm seine eigene Mutter auch noch ein Messer ins gepeinigte Herz rammen. Dabei meinst sie es ja nur gut. Gott höchstpersönlich erschien ihr höchstpersönlich und ordnete die Hinrichtung an.

Was sich anhört wie die Schreckensmeldung aus einem Bibelcamp fundamentaler Christen ist in Wahrheit die Handlung des neuesten Spiels des Meatboy-Künstlers Ed McMillen. Genauso wie beim Fleischklops kehren die für McMillen typisch abgedrehten Characterdesigns und Artworks wieder. Und auch sonst geht das Spiel unkonventionelle Wege.

“The Binding of Isaac” ist auf den ersten Blick ein klassisches Action-Adventure. Wie im allerersten The Legend of Zelda für das NES kämpft ihr euch Bildschirm für Bildschirm durch ein düsteres Verlies, wobei sich der nächste Raum erst öffnet, sobald ihr alle Gegner erledigt habt. Über fünfzig unterschiedliche Monster und satte zwanzig Bossgegner warten darauf, von euch ins Jenseits befördert zu werden.

Die Steuerung ist dabei stark auf die Tastatur ausgelegt. Mit WASD bewegt ihr Isaac, mit den Pfeiltasten wird geschossen. Das geht nach kurzer Eingewöhnung ganz gut von der Hand, vor allem wenn man sich von der Idee verabschiedet hat, diagonal schießen zu wollen. Das kann Isaac nämlich nicht. Nach anfänglicher Verwirrung fasst man diese Einschränkung jedoch ziemlich schnell als ein zentrales Gamefeature auf, trägt sie doch zu dem herrlich altmodischen Charme des Spiels bei.

Eine Gamepadunterstützung ist übrigens nicht in das Spiel integriert worden, was bei einem auf Flash basierten Spiel auch relativ schwierig wäre. Wer jedoch keine Lust auf Tastaturgeklimper hat, der kann sich Joy-to-Key holen. Im Endeffekt steuert sich Isaac aber am besten klassisch mit dem Keyboard.

Wie in einem Action-Adventure üblich bessert ihr Isaacs Fähigkeiten mit Hilfe von Gegenständen auf. Anfangs entledigt sich Isaac seinen Widersachern mit Hilfe seiner Tränen, von denen er ausreichend zur Verfügung zu haben scheint. Doch schon bald findet ihr spezielle Ausrüstung, die das Monster Metzeln noch einfacher gestalten. Neben offensichtlichen Upgrades à la “schneller-weiter-stärker” kommen auch abgedrehtere Items zum Einsatz. Wie wäre es beispielsweise mit Mutters Büstenhalter, dessen Anblick alle Gegner – sogar Bosse – für kurze Zeit vor Schreck erstarren lässt. Oder das ominöse “Number One”, das Isaac schnelles Dauerfeuer, dafür aber verminderte Reichweite beschert und dazu noch seinen Schuss gelb verfärbt… (Bitte niveaulosen Fekalscherz hier einfügen!)

Alle gesammelten Gegenstände verändern übrigens auch Isaacs äußeres Erscheinungsbild und sind frei miteinander kombinierbar. So entstehen die verrücktesten Kerationen. In einem meiner Durchgänge hatte sich Isaac gar in einen gehörnten Dämonen mit deformiertem Pestbeulengesicht und Fledermausflügeln verwandelt.

Herauszufinden, was jedes einzelne Item für Auswirkungen hat, stellt eines der zentralen Spielelemente dar und macht auch einen Großteil des Reizes von “The Binding of Isaac” aus. Damit man seinem Forscherdrang auch wirklich freien Lauf lassen kann, hat McMillen über 100 Gegenstände in das Spiel integriert. Und es sollen noch mehr werden. Aufgrund des großen Erfolgs von “The Binding of Isaac” hat McMillen pünktlich zu Halloween (31.Oktober) ein Content Update angekündigt, das viele neue Features einführen wird. Die genauen Details sind jedoch noch geheim.

Auch wenn “The Binding of Isaac” auf den ersten Blick wie ein klassisches Action-Adventure anmutet, so ist es im Herzen doch ein Rogue-like. Das bedeutet: zufallsgenerierte Dungeons, happiger Schwierigkeitsgrad und: Permadeath! Doch genauso wie die altmodische 4-Wege-Schussmechanik fühlt sich auch der alles beendende Bildschirmtod wie ein zentrales Gamefeature an. So muss Isaac bei einem Boss erst einmal einige Male ins Gras gebissen haben, bevor der Spieler eine passende Strategie gefunden hat. Spieleveteranen, für die moderne Spiele den Spieler zu sehr an der Hand nehmen werden frohlocken.

Um in “The Binding of Isaac” seiner Mutter den Garaus zu machen muss der Spieler durch eine harte Schule. Nach dem Motto “Dying is fun” wird in den ersten Stunden gestorben, was das Zeug hält. Denn nur wer genau weiß, wo er nach versteckten Räumen suchen muss und welche Gegenstände es zu meiden gilt, hat eine Chance eine der vielen Endsequenzen zu Gesicht zu bekommen. Doch genau dieses Trial and Error macht den wirklichen Reiz des Spiels aus. Dass durch die zufallsgenerierte Verteilung der Items auch etwas Glück dabei sein muss stört dabei genauso wenig wie der Umstand, dass man das Spiel eigentlich in zwanzig Minuten durchspielen kann. Zumindest wenn alles gut läuft.

“The Binding of Isaac” wartet mit einer Vielzahl an verschiedenen Endsequenzen und insgesamt vier verschiedenen spielbaren Charakteren auf, die jedoch alle nach und nach freigeschaltet werden müssen. Das schafft zusätzliche Motivation, seine Mutter auch noch ein weiteres Mal von ihrer Existenz zu erlösen.

Grafisch ist das Spiel in dem für McMillen-typischen Comic Look gehalten und ist irgendwo zwischen grotesk und niedlich anzusiedeln. Doch auch musikalisch zeigt sich ein Veteran der Videogames Musik verantwortlich. Niemand anderes als Soundguru Danny B. (Canabalt, Super Meat Boy) verleiht dem Spiel seine markanten Klänge.

Insgesamt kann man “The Binding of Isaac” jedem Spieler ans Herz legen, der auf Rogue-likes steht und in der Herausforderung seinen Spaß findet. Sanfte Spielernaturen, die schnell aus Frust das Gamepad oder die Tastatur in die Ecke pfeffern, sollten jedoch einen Bogen darum machen.

Der ideale Spieler…

  • …ist relativ frustresistent.
  • …kann einigermaßen mit Misserfolgen umgehen.
  • …experimentiert und entdeckt gerne.
  • …fühlt sich vom kontroversen Setting des Spiels nicht auf den Schlips getreten.
  • …hat einen Hang für das Bizarre.

Es verdient einen Platz in unserem Herzen, weil…

  • …es süchtig macht.
  • …Ed McMillens Designs einzigartig und eigenartig zugleich sind.
  • …zu wenige neue Rogue-likes entwickelt werden.
  • …es für 5€ unheimlich viel Spiel bietet.
  • …es durch unzählige Geheimnisse und Unlockables zum mehrmaligen Durchspielen motiviert.

…aber leider…

  • …könnte die Steuerung einen Hauch präziser und direkter sein.
  • …ist das Hitboxverhalten nicht immer nachvollziehbar.
  • …spielt neben dem eigenen Können auch eine Portion Glück mit (Items!).

“The Binding of Isaac” kann man bequem über Steam beziehen. Das Spiel kostet nur 4,99€. Für 99c mehr können Fans auch eine Version mit Soundtrack erstehen.

Reviewed by Judas on 10 October 2011

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