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Jamestown
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Kolonialmächte 2.0

Da kann man nur sagen: Zur falschen Zeit am falschen Ort! Gerade erst auf dem Mars angekommen, findet sich der Held des Indiespiels Jamestown mitten in einem Konflikt zwischen Briten und Spaniern wieder. Letztere haben sich auch noch einen mächtigen Verbündeten gesichert, der den Konflikt empfindlich beeinflussen könnte: das außerirdische Volk der Marsianer. Als Beteiligter wider Willen müsst ihr euch auf die Seite der Briten schlagen und mit eurem Raumschiff die Invasion stoppen. Denn da wir uns mitten im 17. Jahrhundert befinden, hat die englische Krone der bevorstehenden Bedrohung nicht viel entgegenzusetzen außer einer Handvoll Dragoner.

Wie man sieht nimmt sich Jamestown nicht sehr ernst und verzichtet vollkommen auf historische Genauigkeit. Dagegen trumpft es mit einem herrlich abgedrehten Steampunk Szenario und kunterbunter Retro Pixel Optik auf. Soviel sei nämlich schon einmal vorweggenommen: der Bullet Hell Shooter Jamestown spielt sich richtig gut und ist ein Fest für alle Action Fans!

Jamestown schlägt in die selbe Kerbe wie die Genrekollegen Ikaruga oder Star Soldier. Schon im ersten Level sieht man den Hintergrund vor lauter Geschossen nicht. Und das wird in den späteren Stages und besonders auf dem höchsten der insgesamt fünf Schwierigkeitsgrade nicht besser. Gerade die Endbosse verlangen einiges an Manövrierfähigkeit und Reaktionsvermögen vom Spieler ab. Doch glücklicherweise verzichtet das Spiel weitgehend auf unfaire Stellen. Nur selten fliegt man in eine Sackgasse und damit in den sicheren Tod. Stets hat der Spieler das Gefühl, Herr über die Situation zu sein.

Die Steuerung folgt dem “einfach zu lernen-schwer zu meistern” – Prinzip. Jedem der vier Gleiter steht der normale Schuss sowie das Schutzschild zur Verfügung. Der große Unterschied zwischen den fliegenden Untersätzen liegt jedoch in den Spezialangriffen. So verschießt der einzige am Anfang anwählbare Gleiter einen mächtigen Energiestrahl, der alle Feinde vor euch zerbrutzelt. Dagegen fällt der Spezialangriff von Gleiter Nummer zwei schwächer aus, dafür kann man ihn in jeder beliebigen Richtung abfeuern. Dadurch verlangt jedes der vier Schiffe eine andere Strategie vom Spieler, was den Wiederspielwert enorm erhöht.

Und wo wir gerade bei der Strategie sind: auch hier hat Jamestown einiges zu bieten. Um nämlich den Schaden und damit verbunden die Punkte zu erhöhen, kann der Spieler das angesprochene Schild aktivieren. Damit ist er nicht nur für wenige Sekunden unverwundbar, sondern teilt auch für eine begrenzte Zeit mehr Schaden mit jedem seiner Schüsse aus. Durch Einsammeln von goldenen Zahnrädern und Muttern, die von abgeschossenen Gegnern fallen gelassen werden, kann man diesen Overdrive verlängern. So kommen mächtige Combos zustande, die bei der High Score Jagd enorm motivieren.

In Jamestown wird mit vielen Konventionen des Shootergenres gebrochen. So verzichtet das Spiel vollkommen auf Power-Ups. Das klingt zunächst etwas seltsam, da dieses dieses Genre ja hauptsächlich davon lebt, das eigene Schiff immer mächtiger werden zu lassen. Auch verzichtet das Spiel auf den kompletten Bildschirm ausradierende Smart Bombs, aufladbare Schüsse und komplizierte Abschussserien à la Ikaruaga. Dadurch wirkt das Spiel sehr entschlackt und man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Nach jeder Mission hagelt es je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad und eigenem Können massig Punkte, die im Shop ausgegeben werden dürfen. Unter anderem kann man auf diese Weise neue Spielmodi und Levels freischalten. Gerade diese kleinen Herausforderungen sorgen hier für viel Motivation à la “das muss doch zu schaffen sein”. Unter anderem gilt es innerhalb eines stringenten Zeitlimits eine bestimmte High Score zu knacken oder einfach nur für 30 Sekunden zu überleben. Das bringt Abwechslung und lässt einen nicht mehr los, bis man auch die letzte Challenge gemeistert hat.

Jamestown lässt sich (leider nur lokal) mit bis zu drei Freunden bestreiten. Gerade unter Einsatz der verschiedenen Waffenfähigkeiten kommt hier massig Freude auf, doch leidet bei so viel Action auch etwas die Übersicht. Denn wenn der ganze Bildschirm mit Explosionen und Gegnerhorden förmlich überquillt, lässt sich der eigene Gleiter oft nur schwer von den anderen unterscheiden. Eine klarere Abgrenzung der einzelnen Gleiter hätte hier Wunder getan.

Optisch macht Jamestown einiges her: wunderschöne 2d Pixelgrafik, detaillierte Hintergründe und ein flüssiger Spielablauf lassen jedem Retrofan das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hinter Metal Slug & Co. muss sich Jamestown in keinem Fall verstecken!

Man sollte übrigens keine Hemmungen haben, von Anfang an die höheren Schwierigkeitsgrade zu wählen. Denn gerade auf einfach bis normal wirkt das Spiel etwas zu einfach. Auch hätten es ruhig etwas mehr Levels und Schiffe sein dürfen. Doch das ist Gemeckere auf höchstem Niveau, da Konkurrenzprodukte hier auch nicht mehr bieten.

Jeder Shooter und Bullet Hell Fan sei Jamestown: Legend of the Lost Colony wärmstens ans Herz gelegt. Mehr Spaß für nicht einmal 9€ kann man nicht verlangen. Übrigens: Ein Joypad ist fast schon ein muss. Der Shooter lässt sich zwar auch mit Maus oder Tastatur steuern, doch so richtig präzise wirds erst mit Buttons und Steuerkreuz.

Der ideale Spieler…

  • …geht gerne auf High-Score Jagd.
  • …kommt auch bei Dauerbeschuss nicht ins Schwitzen.
  • …stört sich nicht an einem abgedrehten Steampunk-Szenario.
  • …findet: Bitmap > Polygone

Es verdient einen Platz in unserem Herzen, weil…

  • …Mars, Aliens und Kolonialzeit einfach besser sind als schnöde High Tech Science Fiction.
  • …die Grafik einfach wunderbar detailliert gezeichnet wurde.
  • …das Combosystem süchtig macht.
  • …es stundenlang unterhalten kann.
  • …Jamestown zu viert besser ist als gebratener Speck!

…aber leider…

  • …ist es Shooterprofis wahrscheinlich zu einfach.

Jamestown: Legend io the Lost Colony gibts für 8.99€ bei Steam, D2D und GamersGate. Entwickelt wurde es von Final Form Games, die man nach diesem Meisterwerk durchaus im Auge behalten sollte.

Reviewed by Judas on 14 June 2011

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