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Wesnoth
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Elfenjäger

Battle for Wesnoth gehört zu den Spielen, die ich vor Jahren bereits angespielt hatte, dann jedoch schnell die Lust verloren habe und das Spiel schon bald in den Untiefen meiner Festplatte verschwunden war. Nun ist letzte Woche (endlich) meine Pandora eingetroffen und so bekam Wesnoth noch einmal eine Chance. Und ich wurde nicht enttäuscht! Was dem Spieler hier für Umme geboten wird ist wirklich unglaublich!

Am Anfang stand David White, ein junger nicht ganz talentfreier Programmierer, der sich nach einigen Enttäuschungen an einem neuen Spiel versuchen wollte. Nachdem seine Pläne, einen Civilization Clone zu schreiben, katastrophal fehlgeschlagen waren, glaubte er schon selbst gar nicht mehr daran, ein eigenes Spiel auf den Weg zu bringen. Doch dann fiel ihm der alte Mega Drive Titel Master of Monsters ein, das er als Knirps rauf und runter gespielt hatte. White: “Es machte wahnsinnig Spaß und blieb dabei simpel. Simpel genug auf jeden Fall, dass ich mir zutraute, ein ganz ähnliches Spiel zu programmieren.”

Da sein vorangegangenes Projekt an seiner immensen Komplexität scheiterte, entschied sich David in der Entwicklung dem KISS Prinzip (Keep it small and simple) zu folgen. Das bedeutete, dass jedes Game-Feature danach analysiert wurde, ob er auch wirklich genau wusste, wie das Ganze von der technischen Seite zu lösen wäre. Nur wenn er die Frage ganz klar mit ja beantworten konnte, so wurde überhaupt darüber nachgedacht, das Feature in das finale Spiel zu implementieren.

Auch wollte White auf übermächtige Fertigkeiten und zu komplexe Spielmechanismen verzeichten. So wurde beispielsweise festgelegt, dass die Trefferwahrscheinlichkeit bei einem Angriff einzig vom Terrain beeinflusst wird. Insgesamt eine für ein Rundenstrategiespiel sehr begrüßenswerte Entscheidung, wird doch so verhindert, dass sich der Spieler erst stundenlang in das Regelsystem einarbeiten muss.

All diese Überlegungen fanden bereits 2003 statt und heute ist daraus Battle for Wesnoth geworden: Ein rundenbasiertes Strategiespiel mit Rollenspielelementen und Fantasy Szenario. Aus dem kleinen Hinterzimmerprogramm hat sich ein Mammutprojekt entwickelt, das unter der GNU Lizenz läuft, einer öffentlichen Lizenzierung freier Software. Unzählige User (um die 500) haben an dem Spiel programmiert, neue Features entwickelt, zusätzliche Grafiksets gezeichnet und die Fertigstellung von Battle for Wesnoth auf diese Weise vorangetrieben.

Wie man heute sieht war die Arbeit nicht umsonst. Das Spiel liegt mittlerweile in der 1.8er Version vor, ist also schon längst über die Beta hinaus. Was man ja nicht von allen Spielen behaupten kann. Genau! Ich schaue in deine Richtung Minecraft…

Wesnoth spielt sich ganz klassisch wie seine großen Vorbilder. Derer gibt es viele: Vom angesprochenen Mega Drive Titel MoM bis hin zum Strategiehit Battle Isle. Auch eine Prise Ogre Battle und Fire Emblem ist mit dabei. Trotz diesem kunterbunten Haufen an Insprationen ergibt das Spiel ein sehr stimmiges Bild. Die Mischung stimmt einfach. Die einzelnen Spielelemente greifen perfekt ineinander und sind auch durchweg logisch nachvollziehbar.

Man muss stets die Stärken und Schwächen seiner Einheiten im Hinterkopf behalten, damit man siegreich aus einem Scharmützel hervorgeht. Durch absolvierte Kämpfe bekommen die Einheiten dann Erfahrungspunkte. Durch Levelaufstiege werden neue Klassen freigeschaltet, die mächtige Spezialmanöver mitbringen. Und meistens hat man als Spieler die Wahl zwischen mehreren Aufstiegsmöglichkeiten, die sich wiederum stark voneinander unterscheiden. So lässt sich ein Reiter entweder zum Ritter oder zum Lancer aufleveln, die jeweils ihre individuellen Stärken und Schwächen aufweisen.

Liebevoll aufgepowerte Charaktere sind dann nach einer Mission auch nicht verschwunden, sondern lassen sich in die nächsten Missionen mitnehmen. Das sorgt für zusätzliche Motivation und taktisches Kalkül. Als Spieler muss man sich immer fragen, ob es sich lohnt, die aufgelevelten Truppen aufs Spiel zu setzen oder vielleicht erst mal die Grünschnäbel als Kanonenfutter nach vorne zu schicken. Denn ist ein Charakter erst einmal gestorben, dann steht er im weiteren Spielverlauf auch nicht mehr zur Verfügung.

In Sachen Umfang hat sich die Entwicklercommunity von Battle for Wesnoth auch klotzen und nicht kleckern auf die Fahnen geschrieben. Über 200 verschiedene Einheiten, 16 Rassen und insgesamt 6 Fraktionen warten vom Spieler ins Feld geschickt zu werden. Für ein kostenloses Programm ist eine solche Fülle wegweisend. Vollpreistitel, wie das (auch exzellente) Advance Wars für den DS können dagegen schon fast einpacken.

Der Schwierigkeitsgrad ist insgesamt ziemlich knackig. Setzt man seine Soldaten falsch ein oder nutzt das Terrain nicht geschickt aus, so wird man auf lange Sicht kein Land sehen. Chronische Taktikmuffel werden also auch durch Wesnoth nicht bekehrt. Doch alle anderen erwartet ein rundum gelungenes Rundenstrategiespiel, das hunderte Stunden unterhalten kann und durch konstante Updates sogar noch immer erweitert wird.

Der ideale Spieler…

  • …hat Freudentränen in den Augen, wenn er das Wort Hexfeld hört.
  • …liebt Warlords, Battle Isle & Co.
  • …kann etwas mit dem klassischen Fantasyszenario anfangen.
  • …gibt dem Spiel nach einem vielleicht ein bisschen enttäuschenden Auftakt eine Chance.

Es verdient einen Platz in unserem Herzen, weil…

  • …der Umfang dieses Spiels seinesgleichen sucht.
  • …das Aufleveln der eigenen Einheiten enorm motiviert.
  • …Musik und Grafik zwar zweckmäßig, aber insgesamt sehr stimmig sind.
  • …die Balance stimmt.
  • …es dem “einfach zu lernen – schwer zu meistern” Prinzip folgt.
  • …es vollkommen kostenlos ist!
  • …Wesnoth sowohl Einzel als auch Mehrspielertaktikern genug Futter für die einsame Insel bietet.

…aber leider…

  • …muss man viele Karten öfter spielen, um siegreich aus der Schlacht hervorzugehen.
  • …ist die Story in manchen Teilen ein bisschen 08/15.
  • …gibt es nur wenige Animationen.
  • …beschränken sich die grafischen Höhepunkte auf ein paar Blitze und Feuerbälle.

Reviewed by Judas on 24 June 2011

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