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Kronzeuge

Dass Jonathan Blow versteht, wie ein gutes Spiel auszusehen hat, bewies er bereits im Sommer 2009 mit seinem Überraschungshit Braid. Braid war ein Puzzle – Jump’n'Run und zeigte, dass innovative, artistisch anspruchsvolle Spiele durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Braid kam in einem ungewöhnlichen Art Style daher, der sich munter bei den Impressionisten bediente. Satte, ineinanderlaufende Farbtöne, skurrile Charaktere und verträumte Hintergründe entführten den Spieler damals in eine abgedrehte, mit Doppeldeutigkeiten und poetischen Anspielungen gespickte Welt. Und auch die zunächst simpel anmutende Spielmechanik gewann mit zunehmendem Spielverlauf an Rafinesse. In den letzten Levels musste man schon gehörig seine grauen Zellen anstrengen, um dann letztendlich den Abspann zu sehen.

Und in diesem Jahr soll Blows neues Spiel erscheinen: The Witness. Ähnlich wie Braid wird The Witness vom Spieler mehr Köpfchen als Reaktionsvermögen verlangen. Doch wie zu erwarten ist auch The Witness kein klassischer Puzzler. Der Spieler wird sich auf einer einsamen Insel wieder finden und muss aus der Ich-Perspektive Rätsel lösen und schaltet so immer neue Gebiete frei. Die bisher gezeigten Rätsel ähneln sich dabei stark: stets geht es darum, sich auf einer Tafel einen Weg durch Labyrinthe zu bahnen. Blow verspricht jedoch, dass es noch mehr geben wird, als simple “finde-den-Ausgang” Klickereien. So soll der Spieler im weiteren Spielverlauf subtile Details in den Rätseln entdecken. Ganz ähnlich wie in Braid kann man also wahrscheinlich wieder eine poetische Geschichte erwarten, die zum Nachdenken anregt.

Blow folgt dabei einem Credo, dem er sich bei seinen Spielen selbst verpflichtet. Er ist der Meinung, dass Spieleentwickler eine Verantwortung gegenüber den Spielern tragen. Dabei stellt er die Behauptung auf, dass Spiele immer mehr ihren Weg in unsere Mainstream-Kultur finden und so einen großen gesellschaftlichen Stellenwert bekommen – ganz ähnlich wie Filme oder Romane. Entwickler sollten daher dafür sorgen, ihre Spiele innovativ und ethisch vertretbar zu gestalten. MMOs, wie World of Warcraft, bezeichnet er als “unethisch”, da sie den Spieler ausnutzen und ihn nur dann belohnen, wenn er eine gewisse Leidensfähigkeit zeigt. Davon will sich Blow distanzieren und so wird The Witness dem Spieler die Freiheit zum Erkunden lassen, statt ihn in ein konzeptionelles Korsett zu zwängen.

Da man noch nicht so viel von The Witness gesehen hat, kann man noch keine wirkliche Einschätzung treffen, ob es als Spiel taugt. Doch wenn es Blow wieder einmal schafft, seine artistische Vision mit einem soliden Gamedesign zu vereinen, dann kommt hier ein Hit auf uns zu!

The Witness wird voraussichtlich in diesem Jahr auf X-Box 360, PS3 und PC veröffentlicht werden. Eine Testversion gibt es noch nicht und das Spiel existiert zunächst nur in einem frühen Build.

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