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Einmal Neptun und zurück

Die Schilde drohen zu versagen und nun hat sich im Maschinenraum auch noch ein lebensgefährliches Leck gebildet. Zu allem Überfluss hat die letzte Angriffswelle die Lebenserhaltungssysteme beschädigt und ein Feuer droht die Krankenstation in Schutt und Asche zu legen. Unsere Schiffshülle wird nur noch wenige Treffer aushalten, bevor unser Raumgleiter effektvoll in seine Einzelteile zerbrechen und damit das Ende unserer glorreichen Mission einläuten wird. Doch glimmt noch ein Hoffnungsfunke auf: Unsere letzte Breitseite hat die Waffen des gegnerischen Schiffs lahmgelegt und ihre Kommandobrücke brennt laut unserer verbesserten Sensoren lichterloh. In wenigen Momenten wird der Engi Kreuzer hilflos vor uns her treiben und wir können einen weiteren Abschuss verzeichnen. Das war knapp!

Doch dann funkt uns der Engi Kapitän in seiner Verzweiflung an. Er schwenkt die weiße Fahne und bietet uns im Austausch für sein und das Leben seiner Crew ein neues Besatzungsmitglied an. Nur allzu gerne willigen wir ein. Denn gerade erst haben wir ein Besatzungsmitglied durch einen wahnsinnig gewordenen Einsiedler verloren und somit fehlt uns ein Waffenoffizier…

So spannend und abwechslungsreich gestaltet sich ein Ausflug in die unendlichen Weiten der Beta von Faster Than Light. Das Spiel gilt im jetzigen Zustand als “Feature Complete” und bis zur offiziellen Veröffentlichung im September diesen Jahres sollen noch die wenigen Bugs beseitigt und vor allem mehr Inhalte in Form von zufälligen Events und Begegnungen nachgeliefert werden. Auch an der Balance wird hier und da noch ein wenig gefeilt und der Schwierigkeitsgrad gegebenenfalls leicht nach oben oder unten angepasst.

Wir erinnern uns: Faster than Light vom in Shanghai ansässigen Newcomer Entwickler Subset Games (also eigentlich nur Justin Ma und Mathhew Davis) wollte mit Hilfe einer Kickstarter Kampagne 10.000$ für ihr neues Spiel aufbringen. Doch nach nur einem Monat waren sie um 200.542$ reicher, das ist mehr als 2000% des zuerst angepeilten Betrags.

Irgendwie schienen die beiden mit ihrer Spielidee einen Nerv getroffen zu haben. Die Mischung aus zufallsgeneriertem Roguelike-Rollenspiel und Raumschiffsimulation ging erfrischend neue Wege. Das stilvoll reduzierte Grafikdesign und nicht zuletzt das engagierte (und etwas schüchterne) Entwicklerduo taten ihr übriges, um eine Horde Nerds davon zu überzeugen, dass dieses Spiel großes Potenzial haben wird und ihr hart verdientes Geld verdient.

Und man kann jetzt schon sagen: alle Vorschusslorbeeren wurden mit Recht vergeben. Faster Than Light spielt sich überragend gut und schlägt dabei in eine ganz ähnliche Kerbe wie der Kultklassiker Weird Worlds. Der Rollenspielanteil funktioniert und die Sammelwut nach besseren Waffen und Systemen motiviert ungemein. In Kämpfen wird stets Taktieren vom Spieler abverlangt und immer muss man interessante Entscheidungen treffen: Welche Systeme versorge ich mit wie viel Strom aus dem Generator? Wo positioniere ich meine eigenen Crewmitglieder für zusätzliche Kampfboni? Welche Systeme des Gegners soll ich als erstes ins Visir nehmen?

Selbst nach einem guten Dutzend Stunden habe ich noch nicht alles gesehen und erlebt und das obwohl der keine Fehler verzeihende Permadeath mich schon etwa 40 Game Overs gekostet hat.

Schaffen die Entwickler nun im Endspurt die bisher gelieferte Qualität zu halten, so steht uns mit Faster Than Light eines der interessantesten Spiele der letzten Jahre ins Haus. Wer auch nur annähernd etwas mit Weltraum, Star Trek & Co. anfangen kann, der kommt an diesem Spiel nicht vorbei. Doch Vorsicht: Dieses Spiel frisst Zeit wie ein schwarzes Loch Materie.

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